Definition


der Hygiogenese (von griech. Hygieia und Genesis)

Die Gesundung, der Prozess des Gesundwerdens durch natürliche Selbstheilung und Selbstordnung (Regulation, Adaption).

Die Dynamik hygiogenetischer Prozesse wird vom System der vegetativen Regulationen bestimmt, dessen Reaktionen durch phasische bzw. periodische Wechsel zwischen Leistungs- und Erholungstendenz (Ergotropie und Trophotropie) eine charaktersitische Zeitstruktur aufweisen. Die unterschiedlichen Phasen- bzw. Periodendauern können als Einteilungsgrundlage für eine Systematik hygiogenetischer Reaktionen dienen, wobei sich z.B. funktionelle Selbstordnungsleistungen (einfache Erholungsvorgänge) mit geringem Zeitbedarf von trophisch-plastischen Kompensationsleistungen mit größerem Zeitbedarf unterscheiden lassen. In neuerer Zeit sind spezielle Parameter für die Selbstordnungsleistungen des Organismus entwickelt worden, vor allem auf dem Gebiet der zeitlichen Ordnungen (Koordinationen, rhythmische Funktionsordnungen), die für biologische Spontanvorgänge besonders kennzeichnend sind.

Die spektakulären Erfolge der neuzeitlichen naturwissenschaftlichen Medizin haben den Blick dafür verstellt, dass auch bei künstlichen therapeutischen Eingroffen (Operative Ausschaltung, Chemotherapie, u.a.) Heilunge letzten Endes immer auf die hygiogenetischen Fähigkeiten des Organismus zurückzuführen ist (z.B. Wundheilung, Immunabwehr, kompensatorisches Wachstum, Regulation, Adaption). Die natürliche Therapie (Reiz-, Reaktions- und Adaptionstherapie) zielt daher auf eine Anregung und optimale Ermöglichung der Selbstheilung, wozu in der Regel dosierte physikalische und chemische Reize in bestimmten Intervallen oder auch schonende Maßnahmen (Bettruhe, Abstinenz u.a.) eingesetzt werden.

Gesundmachende und gesunderhaltende Funktionsleistungen können als wesensgleich angesehen werden, was z.B. in der Naturheilkunde besonders betont wird. Eine solche Bewertung ider hygiogenetischen Fähigkeiten des Organismus führt zu der Auffassung, dass Gesundheit das dynamisch oszillierende Ergebnis einer ständig stattfindenden umfassenden Hygiogenese darstellt und als 'Freisein von Krankheiten' oder als 'absolutes Wohlbefinden' nur ungenügend definiert ist. Der hygiogenetische orientierte Gesundheitsbegriff ist besonders geeignet, die Eigenverantwortung des einzelnen für die Gesundheit anzusprechen.

Literatur:

aus: Enzyklopädie Naturwissenschaft und Technik, Verlag Moderne Industrie, München 1980. Verfasser: G. Hildebrandt